Metaphysik für Anfänger – Teil 5: Gnostizismus

Durch die Bewahrer der Bibliothek von Alexandria und die Hüter der geheimen Einweihung in die Mysterien von Griechenland und Ägypten (siehe Teil 6) bleibt der Gnostizismus eines der ergreifendsten Parallelen zum wissenschaftlichen Denken aller Mystiken. Durch sein Konzept, abgeleitet von der Göttlichkeit der „Gnosis“, was Wissen bedeutet, kann der Gnostizismus buchstäblich als eine Religion des Wissens betrachtet werden. Zugleich geht es tiefer als das, weil sogar das Wort „Wissen“ noch eine umfassende Definition sein kann. Die Gnostiker lehrten, dass das, was für andere als „Gott“ oder „Tao“ angesehen wurde, zum Beispiel das war, was sie als die Muttergöttin „Sophia“ (ausgesprochen als Soe – fie -ah) betrachteten. Sophia stellte für die Gnostiker sinnbildlich die Wurzel der erfahrungsgemässen, objektiven Wahrheit dar, die das Potential hatte, in jedem gegebenen Gebilde, Konzept oder Wesen ersichtlich zu sein.

Die Gnostiker lehrten auch, dass physische Materie eine Art Umkehrung war – eine Verdrehung der metaphysischen Seele – und sie betrachteten Gut und Böse als die Dualität zwischen den jeweils metaphysischen und physischen Bereichen. Im tieferen Sinn wurde die physische Materie als das ultimative Hindernis zur ständig durchdringenden Gnosis in allen Konzepten angesehen und deshalb wurde es als Hürde für die Seele betrachtet – etwas, das erst und vor allem verstanden und überwunden werden musste. Das bedeutet jedoch nicht, dass die gnostische Vorstellung über die physische Materie gleichgesetzt werden konnte mit einem Bösen, vergleichbar dem christlichen „Satan“; und ironischerweise betrachteten die Gnostiker Jehovah selbst als diese Art des archetypischen Bösen – eine höchste Hürde der Gnosis – und sie nannten Jehovah den Demiurg.

demiurge

Während das Konzept des „Demiurgen“ heute ein grossartiges Rätselraten ist, erwies es sich unglücklicherweise als wesentlicher Faktor der katholischen Kirche, um auf die gnostische Tradition abzuzielen und fast auszulöschen. Es wird gesagt, dass die Gnostiker generell den Ruf hatten, auf die Strasse zu gehen und philosophische Debatten zwischen den Leuten anzuzetteln, besonders mit Christen – auf eine Weise, die humorvoll an etwas wie Journalismus aus dem Hinterhalt erinnert.

Ein abschliessend wichtiger Höhepunkt der gnostischen Ideologie ist der Begriff, der manche Leute höllisch verwirrt, andere völlig einschüchtert und manche trotzdem noch spötteln und den Kopf schütteln lässt: die Idee über die „Archons“. Zunächst einmal ist der hauptsächliche Grund, dass Pseudo-Intellektuelle über die Vorstellung der metaphysischen „Archons“ spotten der, weil im antiken Griechenland, wo der Gnostizismus stark verbreitet war (und die eleusinischen Mysterien hochgehalten wurden) „Archon“ ein abwertender Begriff für jemand gesellschaftlich Elitäres war. Obwohl das wahr ist und die Gnostiker dies offensichtlich als die metaphysische Ausdrucksweise mit der kulturellen Definition im Sinn wählten, braucht es nur eine „Google-Suche“ nach den Nag Hammadi-Rollen und etwas grundlegende Lektüre, um zu erkennen, dass es offenkundig einen viel tieferen Zusammenhang gibt als das.

Die Gründe, warum Gnostiker Jehova und die physische Materie als niederträchtige Konzepte betrachteten, liegen in ihren hemmenden Merkmalen; im Wesentlichen wurde die wichtigste grundlegende Wurzel dieser hinderlichen Merkmale als „Archon“ betrachtet. Folglich gibt es den Dualismus der sophianischen Gnostik und ihre Umkehrung, den Archon; wirkliche Wahrheit und höheres Verständnis oder subjektive Lügen und die Tiefen der nicht korrigierten Fehler. Der Teil, der wirklich merkwürdig wird, ist die Art und Weise, wie die Gnostiker die Archons beschreiben. Vom gesellschaftlich Elitären weit entfernt, wurden die Archons als metaphysische Wesenheiten angesehen, die sich auf eine Art und Weise an „menschliches Fehlverhalten“ anhefteten, die heutzutage theoretisch als Hertz-Radiowellen angesehen werden können. Heute gehört es zum grundlegenden wissenschaftlichen Verständnis, dass alle menschlichen Gedanken vom Gehirn als Hertzwellen ausgesendet werden, welches die gleichen Wellen sind, die Transistorradios auffangen. In dieser Hinsicht könnten Radiosender mit „nicht korrigierten menschlichen Fehlern“ als verdichtete und verstärkte Hertzwellen-Muster angesehen werden, die durch das tägliche Leben der Person wiederholt werden und sie daran hindern, dass sie selbst die Gnosis erlangen. Dr. Stanislav Grof hat in der Psychologie der selbstverdichteten und verstärkten psychischen Kreisläufe ein unglaubliches Fundament gelegt, das er „CoEx-System“ für Gehirnbahnen mit komprimierter Erfahrungen nennt.

In Verbindung mit der gnostischen Schrift wurden die Archons als parasitäre metaphysische Wellenform angesehen, die sich an die physische Ausstrahlung menschlichen Fehlverhaltens anhängten und sich davon ernährten. Um es klarer darzustellen: der Archon wurde als physikalischer Zufall wahrgenommen, das Äussere der menschliche Gedanken, was eine direkte Rolle dabei spielte, die Gnosis zu verhindern und menschliches Fehlverhalten zu vermehren. Wie vieles davon ein Gleichnis ist und wieviel wortwörtlich genommen werden muss, wird sogar zwischen den gelehrtesten postmodernen gnostischen Wissenschaftlern debattiert. Manche betrachten die christlichen „Dämonen“ und dieses wiederkehrende Thema der negativen Entitäten in Religionen als Archons und manche verzweigen sogar noch weiter und verbinden diese mit extraterrestrischer Aktivität; während andere argumentieren, dass das ausschliesslich eine Allegorie der parasitären Natur der energetischen/metaphysischen Abhängigkeit ist, die vom nicht korrigierten menschlichen Fehlverhalten stammt.

Alles in allem trug der Gnostizismus eine entscheidende Ergänzung zum Mystizismus bei, der beinahe aus der aufgezeichneten Geschichte gelöscht wurde und mit Mühe überlebt hat. Es stellt sich heraus, dass er ein massgeblicher Wegbereiter für den modernen Empirismus ist und er gewährt durch seine Geschichte mit den mystischen Einweihungen von Griechenland und Ägypten einen kurzen Einblick in die heutigen Geheimgesellschaften wie die Freimaurerei.

Quelle: Metaphysik für Anfänger – Teil 5: Gnostizismus | Transinformation.net

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