Finnland startet Bedingungsloses Grundeinkommen!

Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens ist in Europa angekommen. Die Schweiz stimmt am 5. Juni 2016 über 2500.- CHF bedingungsloses Grundeinkommen ab. Doch Finnland ist bereits einen Schritt weiter als die Schweiz. Finnland experimentiert das BGE in einem aufschlussreichen Feldversuch erstmals unter realen europäischen Bedingungen. Siehe auch: → Alle Länder mit Grundeinkommen weltweit.

Finnlands Probleme

Finnlands Arbeitslosenquote nähert sich der 10%-Marke. Sie ist so hoch wie in den letzten 15 Jahren nicht mehr. Die finnische Wirtschaft hat seit Jahren Mühe sich zu behaupten. Und die fortschreitende Roboterisierung droht durch Automatisierung der Arbeitsprozesse weitere Arbeitsplätze in grossen Mengen zu vernichten. Der finnische Staat hat viele Probleme zu bewältigen. Neue Lösungen müssen her. Was also ist die geeignete Antwort auf all diese Probleme? Vielleicht das bedingungslose Grundeinkommen? Finnland probierts aus. Auf Geheiss der finnischen Regierung.

Wohlgemerkt: eine finnische Mitte-Rechts Regierung. Keine linken Träumer – wie die Idee medial gerne im Vornherein abwertend verworfen wird. Ohne sich tatsächlich tiefer mit der Materie auseinander zu setzen.

Das Experiment

Das Grundeinkommen-Experiment resp. der Feldversuch Finnlands wird international mit grossem Interesse beäugt. Auch andere Staaten suchen Konzepte und Antworten auf drängende Fragen. Finnland gibt hier den Vorreiter. Den Wagemutigen. Den Pionier.

Rund 10’000 Menschen – sogenannte Probanden – kommen in Finnland für die Dauer von 2 Jahren in den Genuss eines monatlichen Grundeinkommens. Ob die Person arbeitet oder nicht ist für das Grundeinkommen irrelevant. Das Grundeinkommen ist garantiert, ohne etwas dafür leisten zu müssen.

Wer zusätzlich arbeitet, verdient entsprechend zusätzlich mehr. Und dies ist in Finnland ein äusserst vielversprechender Ansatz. Denn: Wer als Arbeitsloser bisher was kleines dazu verdient, dem kürzt der finnische Staat die Sozialleistungen. Das heisst: Einen Job anzunehmen, lohnt sich für die arbeitslosen Finnen in der Regel nicht.

Das Konzept

2 Gruppen: Die Teilnehmer des BGE-Experiments werden dabei in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe stellt den nationalen Querschnitt dar. Bei der anderen Gruppe werden Personen ausgewählt, für die das BGE besonders wichtig wäre.

Jeder dieser Bürger in Finnland soll ein Grundeinkommen bekommen. Ohne Bedingung. Unabhängig von Lebenssituation, Arbeitsverhältnis und Bedürfnisse.

Finanzierung: Im Gegenzug zum BGE fallen die meisten Sozialleistungen komplett weg. Also auch das Arbeitslosengeld. Einige der Sozialleistungen wie z.B. die Mietkostenunterstützung sollen aber erhalten bleiben. Finanziert wird das bedingungslose Grundeinkommen über Steuereinnahmen.

Einkommen

BGE-Höhe: Das finnische Grundeinkommen soll durchschnittlich rund 550-800 Euro pro Monat betragen.

Zum Vergleich: Das durchschnittliche Einkommen in Finnland liegt bei etwa 2500 Euro.

Arbeitslosengeld: Das finnische Arbeitlosengeld beträgt durchschnittlich ca. 550 Euro.

Sozialleistungen: Würden alle Sozialleistungen gestrichen, müsste das finnische BGE rund1500 Euro betragen (umgerechnet 1650 Franken).

In der Schweiz: Die Schweizer würden bei einem JA zur Abstimmung 2500 Franken pro Monat erhalten (für Erwachsene) und 625 Franken pro Kind. Allerdings sind die beiden Länder kaum miteinander vergleichbar. Die täglichen Lebenserhaltungskosten sind in der Schweiz spürbar höher als in Finnland.

Start

Für den Start des finnischen Grundeinkommens ist die zweite Jahreshälfte 2016 vorgesehen. Die Regierung Finnlands investiert insgesamt 20 Millionen Euro in das europaweit einmalige BGE-Projekt. Das sind die geschätzten Kosten für die Dauer von 2 Jahren. Erst danach soll Bilanz gezogen und entschieden werden, ob das bedingungslose Grundeinkommen eine Zukunft hat und flächendeckend in Finnland eingeführt wird.

Umfrage – Mehrheit dafür!

Die Finninnen und Finnen zeigen sich begeistert ob der BGE-Idee. Das Resultat einer repräsentativen Umfrage offenbarte knapp 70% Zustimmung der finnischen Bevölkerung.

Wie stehen die Chancen in der Schweiz? Und vor allem: Was ist Ihre Meinung zum bedingungslosen Grundeinkommen? Wäre heute Abstimmung, würden Sie mit JA oder NEIN stimmen?

Umfrage zur Abstimmung: Ihre Meinung zählt!

Umfrage auf playbuzz

Das Grundeinkommen Finnlands wird zwischen 550-800 Euro betragen. Es muss nämlich über dem bisherigen Arbeitslosengeld liegen, das in Finnland um die 550 Euro monatlich beträgt. Das Durchschnittseinkommen der finnischen Arbeitnehmer liegt bei 2500 Euro.

Alle Parteien sagen JA

Initiiert und getragen wird der Feldversuch von der Mitte-Rechts-Regierung Finnlands. Doch es herrscht parteiübergreifende Einigkeit. Die Linken und die Grünen plädieren schon seit langem für eine BGE-Einführung. Dem konservativen und liberalen Lager leuchtet das Konzept des Grundeinkommens je länger je mehr ein. Denn im Grunde genommen vertritt das BGE deren Grundwerte: Weniger Staat, weil es nur noch eine einzige Sozialleistung gibt. Und mehr Freiheit für jeden Einzelnen.

Gewerkschaften sagen NEIN

Auf den ersten Blick überraschend ist aber, dass sich die Sozialdemokraten und Gewerkschafter eher gegen die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens aussprechen. Warum?

Finnlands Gewerkschaften weisen eine weltweit einmalig hohe Quote von gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmern auf. Nun fürchten sie sich aber vor einem drohenden Machtverlust und Bedeutungslosigkeit.

Ersetzt das BGE die Gewerkschaften?

Wenn das Grundeinkommen nun flächendeckend eingeführt würde, falle auch gleich der Grund weg, in eine Gewerkschaft einzutreten, so die Befürchtung der finnischen Sozialdemokraten. Die Folge davon wäre ein deutlicher Machtverlust ihrerseits. Dadurch würde ihre politische Bedeutung unweigerlich sinken. So ihre Theorie. Und so offenbaren sie letzten Endes nur, dass ihnen wohl mehr an sich selber liegt, als am eigentlichen Wohlergehen der Bevölkerung.

Quelle: ▷ Finnland startet Bedingungsloses Grundeinkommen!

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